| Aus der FTD vom 11.3.2005 |
Immobilien: Branche sehnt sich
nach mehr Aufmerksamkeit
Von Miriam Beul
Der milliardenschwere Wirtschaftszweig Immobilien hat in der öffentlichen Wahrnehmung kaum die Größe eines Zwergs. Das soll sich ändern.
| "Beim Kanzler gab es
neulich einen Pharma-Gipfel. Wann empfängt er endlich den ersten
Immobilien-Gipfel?", fragte etwa vor kurzem Lutz Freitag, Präsident des GdW
Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.
Eine Lobby müsse her, die den schlafenden Riesen auf die Beine stellt und für mehr Gehör in Politik und Öffentlichkeit sorgt. Zunächst aber müsse das eklatante Informationsdefizit abgeschafft, das Berichtswesen bei den Unternehmen und in den Finanzverwaltungen verbessert und die in verschiedenen Statistiken geparkten Daten endlich gebündelt Eingang in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung finden, fordert Freitag. Selbst im Rat der Wirtschaftsweisen (RdW) kommt das Missverhältnis zwischen der großen wirtschaftlichen Relevanz und dem geringen politischen Einfluss zur Sprache. "Eine der ertragsstärksten deutschen Branchen taucht in der makroökonomischen Gesamtrechnung nicht auf. Die Bedeutung der Immobilienwirtschaft ist infolge statistischer Mehrgleisigkeit unbekannt", stellte RdW-Vorsitzender Wolfgang Wiegard kürzlich auf einer Fachtagung fest. Hohe Erträge So erwirtschaften Immobilienunternehmen alljährlich weitaus höhere Erträge als etwa Landwirtschaft oder Automobilindustrie. Trotzdem nimmt niemand davon Notiz, weil harmonisierte Statistiken fehlen. GdW-Chef Freitag hat einen Anfang gemacht und verschiedene Kennzahlen zusammengetragen. Etwa zeitgleich kamen Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Institutes, und Hartmut Bulwien von BulwienGesa, mit ihrer Studie heraus. Und schon die ersten Versuche einer Branchenauswertung beeindrucken: Im Jahr 2003 entfielen rund 85 Prozent des deutschen Nettoanlagevermögens oder 5,5 Billionen Euro auf Immobilien - Wohn- und Gewerbegebäude, Krankenhäuser, Universitäten und Flughäfen mit eingerechnet. Auch die Bruttowertschöpfung kann sich sehen lassen: Allein das Grundstücks- und Wohnungswesen (Käufe und Verkäufe, Vermietung und Verpachtung, Vermittlung und Verwaltung) erwirtschaftete 2002 knapp 250 Mrd. Euro. Das waren 12,7 Prozent an der gesamten Wertschöpfung. Die Baubranche kam auf 89 Mrd. Euro oder umgerechnet 4,5 Prozent. Einer der lobbystärksten Zweige - die Land- und Forstwirtschaft - konnte im selben Jahr lediglich 1,1 Prozent zum großen Kuchen beitragen. Auch als Arbeitgeber hält sich die Immobilienwirtschaft seit Jahren tadellos. Die Frage ist nun, wie man sich angesichts dieser beeindruckenden Zahlen am besten Gehör verschaffen kann und wie man mit einer Stimme spricht. Eine Tasse Kaffee bei Kanzler Schröder wäre gewiss ein gutes Ziel. |
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